Diversität in Schulalltag und Unterricht

Wie kann Schule diversitätssensibler gestaltet werden? Dieser Kernfrage gehen Schulen in Brandenburg, Hamburg, Sachsen und Schleswig-Holstein im Rahmen des Projekts "Vielfalt entfalten" nach. Auf Grundlage von eigens definierten Entwicklungsvorhaben soll das Bewusstsein für Diversität und Diskriminierung im Schulalltag geschärft und der Unterricht chancengerechter und vorurteilsbewusster gestaltet werden. Kontinuierlich reflektieren, trainieren und qualifizieren die projektbeteiligten Schulakteur:innen ihre Haltung und Handlungsmuster, um so wirksame Veränderungen im Schulalltag herbeizuführen. Die Basis bilden individuelle und eigens formulierte Entwicklungsvorhaben, die darauf abzielen, Diversität im Schulalltag anzuerkennen, zu schärfen und sichtbar(er) zu machen. Dafür erhalten die Schulen im Rahmen des Projekts fachliche Impulse sowie Methoden- und Unterstützungsangebote, um praktische Maßnahmen abzuleiten und umzusetzen.

Im Folgenden geben wir einen Überblick, welchen Entwicklungsvorhaben sich die Schulen im Projekt unter anderem widmen:

Entwicklung eines diversitätssensiblen Leitbilds

Wie kann Vielfalt gemeinsam gelebt werden? Und wie wird Schule zu einem Lebens- und Lernort, an dem sich alle Akteur:innen wertgeschätzt, respektiert und sicher fühlen? Damit Schulentwicklungsprozesse überhaupt erst möglich sind, braucht es gemeinsame Werte und Ziele, die von allen Schulakteur:innen getragen werden. Aus diesem Grund widmen sich Schulen aus allen vier Ländern der schuleigenen Leitbildentwicklung, das darauf abzielt, das Schulprogramm diversitätssensibler zu gestalten und dadurch das schulische Miteinander zu stärken. Letzteres wird auch über initiierte Themenwochen, Projekttage und eigene „Diversity Days“ unterstützt, während eine projektbeteiligte Schule in Hamburg 2022 offiziell sogar zum eigenen „Jahr der Vielfalt“ erklärt hat.

Sensibilisierung für Diversität & Diskriminierung

Nahezu alle Schulen widmen sich im Rahmen ihrer Vorhaben Sensibilisierungsformaten, die unter anderem folgende Fragen aufgreifen: Welche Diversitätsmerkmale spielen im Schulalltag (intersektional) eine Rolle und welche Auswirkungen haben sie auf das Lernen der Schüler:innen? Welche Strukturen und Vorschriften begünstigen Diskriminierungen und wie lassen sich diese erkennen und abbauen? Die Schulteams erhalten dazu Fortbildungen und Anti-Bias-Trainings, und setzen eigene Projekttage, Workshops und pädagogische Konferenzen um. Sie beschäftigen sich mit verschiedenen Diskriminierungsformen, wie Rassismus oder auch Klassismus, und erarbeiten Antidiskriminierungskonzepte. Dadurch soll nicht nur die persönliche Handlungssicherheit im Umgang mit Diskriminierungen gestärkt werden, sondern auch eine vorurteilsbewusste und diversitätssensible Zusammenarbeit innerhalb des Kollegiums.

Vielfalt im Unterricht

Um der heterogenen Schüler:innenschaft gerecht zu werden, sie im Schulalltag gleichermaßen einzubeziehen, zu fördern und ihnen die Möglichkeit zu geben, ihre vollen Potenziale und Fähigkeiten zu entfalten, braucht es tragfähige (Lern-)konzepte und Materialien. Beispielsweise widmen sich einige Schulen der Entwicklung von diversitätssensiblen Raumkonzepten, die die Sozial- und Lernkompetenzen stärken und einen sicheren Raum für alle Schüler:innen darstellen. Teil einiger Entwicklungsvorhaben ist auch die diskriminierungskritische Überprüfung von Unterrichtsmaterialien und -methoden sowie die Anschaffung diversitätssensible(rer) Materialien, während sich einige Schulen auch einer diskriminierungskritischeren Fachdidaktik widmen.

Sprache als Ressource

Auch Sprache ist ein wichtiger Faktor von diversitätssensibler Schulentwicklung. Durch Sprache werden Botschaften transportiert, die Verletzungs- und Machtpotenzial besitzen – und daher Diskriminierungen begünstigen. Die Reflektion des eigenen Sprachgebrauchs in Hinblick auf alltagsdiskriminierende Äußerungen ist daher Teil einiger schulischer Entwicklungsvorhaben, ebenso die Etablierung diversitätssensibler Sprache im Fachunterricht. Auch werden von einigen Schulen Maßnahmen zur Sprachförderungen (weiter-)entwickelt und Mehrsprachigkeit als wichtige Ressource im Schulalltag gestärkt.

Partizipation fördern und Vernetzung stärken 

An einigen Schulen steht auch die Schüler:innenbeteiligung im Fokus der Entwicklungsvorhaben. Es werden neue (außer-)schulische Angebote geschaffen, Projekttage und Thmenenwochen ins Leben gerufen, verschiedene Workshops organisiert und Klassenräte gegründet, die Teilhabe und Vernetzung ermöglichen. Auch die stärkere Beteiligung der Sorgeberechtigten ist für viele Schulen ein Schwerpunktthema, das durch regelmäßige und leicht zugängliche Austauschformen, wie Elterngespräche und -abende, gefördert werden soll. Und auch außerschulische Kooperationen werden ausgebaut, darunter zu Kitas, Vereinen, Institutionen und Träger:innen der außerschulischen Bildung.

 

Vielfalt entfalten – Gemeinsam für starke Schulen ist ein Projekt der Deutschen Kinder- und Jugendstiftung und wird gefördert von der Stiftung Mercator.

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